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Prozessmanagement im KMU: Wie Sie aus dem Feuerlöschmodus herauskommen

Dr. Katja Maurer 27. Mai 2026 7 Min. Lesezeit

Ständig im Feuerlöschmodus. Dauerstress. Überstunden. Missverständnisse zwischen Abteilungen. Termine, die nicht eingehalten werden. Kunden, die warten.

Wenn Ihnen das bekannt vorkommt, liegt die Lösung näher, als Sie denken. Und sie hat einen Namen: Prozessmanagement.

Was ein Prozess überhaupt ist

Klingt erstmal trocken. Aber was ist ein Prozess eigentlich?

Wenn Sie morgens Kaffee machen: Kaffeemaschine anschalten, Tasse positionieren, Kapsel einlegen, Knopf drücken, Kaffee geniessen. Das ist ein Prozess. Eine zeitlich-logische Abfolge von Tätigkeiten, um ein bestimmtes Ziel zu erreichen.

Genau das passiert jeden Tag in Ihrem Unternehmen, hundertfach: bei der Auftragsbearbeitung, in der Produktion, im Verkauf, in der Buchhaltung. Die Frage ist: Laufen diese Abläufe klar, einheitlich und effizient? Oder mal so, mal so?

Das Problem: erhebliche Verschwendung auch in der Verwaltung

Eine Lean-Office-Studie mit 350 Unternehmen in Deutschland, Österreich und der Schweiz (2010) hat berechnet, dass in der Verwaltung rund 30 Prozent Verschwendung steckt. Verschwendung bedeutet dabei: Doppelarbeit, Wartezeiten, Suchen, Nacharbeit, unnötige E-Mail-Verteiler, Missverständnisse wegen schlechter Kommunikation. All das verbraucht Zeit, Energie und Nerven.

Der Pionier: W. Edwards Deming

Der Pionier des modernen Qualitäts- und Prozessmanagements war W. Edwards Deming (1900–1993), ein US-amerikanischer Physiker, Statistiker und Managementberater. Ab den 1940er-Jahren entwickelte er die prozessorientierte Sicht auf Arbeitsabläufe in Unternehmen. Ab 1950 lehrte er japanische Topmanager seine Methoden, was als einer der Impulse für den japanischen Wirtschaftsaufschwung der 1950er-Jahre gilt.

Sein Kernprinzip: Immer besser werden. Prozesse messen, verstehen, optimieren, anpassen. Das ist kein neues Konzept. Aber es ist eines, das in vielen KMU noch nicht konsequent gelebt wird.

Was gute Prozesse konkret leisten

Gut dokumentierte und gelebte Prozesse bringen folgende Vorteile:

Klarheit: Mitarbeitende wissen genau, welche Schritte nötig sind und wer für welche Aufgaben verantwortlich ist.

Stabilität an Schnittstellen: Gerade dort, wo die Verantwortung von einer Person auf eine andere übergeht, entstehen die meisten Fehler und Konflikte. Klare Prozesse entschärfen genau diese Punkte.

Skalierbarkeit: Was dokumentiert und standardisiert ist, kann delegiert, gelehrt und übertragen werden. Sie sind nicht mehr die einzige Person, die weiss, wie etwas gemacht wird.

Messbarkeit: Wenn Prozesse klar sind, können Sie auch messen, ob sie funktionieren. Weg mit dem Bauchgefühl.

Wie Sie anfangen: nicht allein und nicht ohne das grosse Bild

Ein wichtiger Hinweis aus meiner Beratungspraxis: Prozessoptimierung im stillen Kämmerlein bringt wenig. In Ihrem Team stecken Expertinnen und Experten, die genau wissen, wo es hakt, wo Doppelarbeit entsteht und wo Fehler auftreten. Holen Sie sie ab.

Viele versuchen in ihrem eigenen Bereich zu optimieren, ohne das grosse Bild zu kennen. Das kann kontraproduktiv sein und neue Probleme an anderen Stellen erzeugen. Deshalb ist der systemische Blick auf das gesamte Prozessgefüge entscheidend.

Ein erstes praktisches Vorgehen

Schritt 1: Welche Prozesse sind Ihre Kernprozesse? Womit verdient Ihr Unternehmen Geld, und wie läuft das ab?

Schritt 2: Wo entstehen regelmässig Fehler, Verzögerungen oder Konflikte? Das sind Ihre wichtigsten Ansatzpunkte.

Schritt 3: Holen Sie die betroffenen Mitarbeitenden an den Tisch. Beschreiben Sie gemeinsam, wie der Prozess idealerweise laufen sollte.

Schritt 4: Dokumentieren Sie das Ergebnis. Einfach, verständlich, verbindlich.

Schritt 5: Leben Sie den Standard, überprüfen Sie ihn regelmässig und passen Sie ihn an, wenn sich Bedingungen ändern.

Wo die 30 Prozent konkret verloren gehen

Verschwendung klingt abstrakt, bis man sie im eigenen Betrieb sieht. Ein typisches Beispiel aus einem KMU: Eine Kundenbestellung trifft per E-Mail ein. Sie wird ausgedruckt, auf einen Stapel gelegt und später manuell ins ERP getippt. Die Produktion fragt nach, weil eine Angabe fehlt. Niemand weiss genau, wer zuständig ist. Die Bestellung bleibt zwei Tage liegen, bis jemand nachhakt. Am Ende stimmt eine Position nicht, und es gibt Nacharbeit.

In dieser kurzen Kette stecken gleich mehrere Arten von Verschwendung: Wartezeit, Doppelerfassung, Rückfragen wegen unklarer Zuständigkeit und Nacharbeit wegen eines vermeidbaren Fehlers. Keiner dieser Schritte fällt einzeln auf. In der Summe kosten sie jeden Tag Zeit und Geld. Genau hier setzt Prozessmanagement an: nicht beim einzelnen Brand, sondern beim Muster, das die Brände immer wieder entstehen lässt.

Eine einfache Übung für den Einstieg: Begleiten Sie einen einzigen Auftrag von der Anfrage bis zur Rechnung und notieren Sie jeden Übergabepunkt. Sie werden überrascht sein, wie viele Hände, Wartezeiten und Medienbrüche dabei zusammenkommen.

Der PDCA-Zyklus: Demings Werkzeug für stetige Verbesserung

Demings vielleicht bekanntestes Werkzeug ist der PDCA-Zyklus: Plan, Do, Check, Act. Er beschreibt Verbesserung nicht als einmaliges Projekt, sondern als Kreislauf. Plan: Sie analysieren einen Prozess und planen eine konkrete Veränderung. Do: Sie setzen die Veränderung in kleinem Rahmen um. Check: Sie prüfen anhand klarer Kriterien, ob die Veränderung wirklich etwas gebracht hat. Act: Funktioniert sie, wird sie zum neuen Standard. Funktioniert sie nicht, beginnt der Kreis von vorne.

Der Charme dieses Vorgehens für KMU: Sie müssen nicht alles auf einmal umbauen. Sie wählen einen Prozess, der spürbar weh tut, verbessern ihn in einer Runde und sichern das Ergebnis ab, bevor Sie zum nächsten gehen. So wird aus «Wir müssten mal» ein verlässlicher Rhythmus. Wenn Sie diesen Rhythmus nicht allein etablieren möchten, unterstützt Sie meine Prozessmanagement Beratung dabei, die ersten Runden gemeinsam zu gehen.

«Dafür haben wir keine Zeit»: der häufigste Einwand

Wenn ich mit Führungskräften über Prozessmanagement spreche, kommt fast immer derselbe Einwand: «Das klingt gut, aber dafür haben wir im Tagesgeschäft keine Zeit.» Ich verstehe das. Genau hier liegt aber der Denkfehler. Die Zeit, die scheinbar fehlt, steckt bereits in den Prozessen, nur unsichtbar. Sie geht in Rückfragen, Nacharbeit und Abstimmungsschleifen verloren, jeden Tag aufs Neue.

Prozessmanagement kostet am Anfang etwas Zeit und bringt sie danach mehrfach zurück. Es geht nicht darum, parallel zum Tagesgeschäft ein grosses Projekt zu stemmen. Es geht darum, an einer Stelle anzufangen, an der es regelmässig hakt, und diese eine Stelle gründlich zu verbessern. Der gewonnene Freiraum finanziert dann den nächsten Schritt. Wer dagegen wartet, bis Zeit übrig ist, wartet erfahrungsgemäss vergeblich. Der Stau löst sich nicht von selbst auf, er wird grösser.

Fazit: Wer Prozesse ignoriert, zahlt drauf

Stellen Sie sich vor, wie viel einfacher Ihr Alltag wäre, wenn alle auf die gleiche Weise arbeiten und die Abläufe klar definiert sind. Gut durchdachte Prozesse geben Ihnen die Freiheit, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren und strategisch zu denken statt nur zu reagieren.

Unternehmen, die sich erst dann mit Prozessen befassen, wenn die Zahlen rot sind, gute Mitarbeitende kündigen oder Kunden verärgert sind, handeln zu spät. Prozessmanagement ist keine Krisenintervention. Es ist präventive Unternehmensführung.

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Bereit, aus dem Feuerlöschmodus herauszukommen?

Ich begleite KMU dabei, ihre Kernprozesse zu analysieren, zu dokumentieren und nachhaltig zu optimieren. Das Ergebnis: weniger Hektik, weniger Fehler, mehr Zeit für das, was wirklich zählt.

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Dieser Beitrag basiert auf Folge 3 des Podcasts «Fehler.Prozess.Erfolg» von Dr. Katja Maurer.

Quellen:
Deming, W. E. (1982/2000): Out of the Crisis. MIT Press, Cambridge, MA.
Lean Office-Studie D/A/CH (2010): Verschwendung in der Verwaltung. 350 Unternehmen, Erhebungszeitraum 2010.

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